23.07.2019

„Mit den Künsten sprechen lernen“

Konzeptentwicklung neuer Qualifizierungsangebote zur Sprachförderung


Zur Sprachförderung entwickelt die VHS Meppen zusammen mit dem Förderangebot der Bertelsmann Stiftung und mit ihren Kooperationspartnern des Theaterpädagogischen Zentrums der Emsländischen Landschaft e.V. (TPZ) Lingen, der Kunstschule Koppelschleuse im Kulturnetzwerk Koppelschleuse e.V., der Musikschule des Emslandes, des Kunstvereins „Zusammenkunft der Kulturen“, der Bildungsregion Emsland und der Fachstelle Integration des Landkreises Emsland ein neues Konzept für Qualifizierungsangebote der Lehrkräfte.

Theater, Musik und bildende Kunst – Die Grundidee des Konzeptes besteht darin, Sprachkurse durch diese Elemente zu erweitern. Durch ein inklusives Konzept wird die Sprachbildung eng mit der kulturellen Bildung verbunden, um den Spracherwerb zu unterstützen. Unter dem Schirm „Mit Künsten Sprechen lernen“ arbeiten nun die jeweiligen Vertreter aus den Bereichen Musik, Sprache, Theater- und Kunstpädagogik an einem Tisch, um neue Ideen für die Praxis zu entwickeln: Von frühkindlicher Erziehung bis hin zur Erwachsenenbildung.

„Was bedeutet Kunst im Alltag?“, „Was kann ich aus meiner Kultur mitbringen?“ oder „Wodurch erfahren wir Verbundenheit?“ – Mit diesen und weiteren Fragen setzen sich die Dozenten, die als Experten das Qualifizierungsangebot entwickeln, zur Ideenfindung auseinander. Die Begriffe „Wertschätzung“ und „Wahrnehmung“ stehen dabei stets im Fokus.

„Durch verschiedene Übungen aus dem theaterpädagogischen Bereich können die Teilnehmenden sich selber herausfordern“, sagt Julia Windisch, TPZ Lingen, und berichtet über ihre Erfahrungen aus Kursen der Erwachsenenbildung. Sie thematisiert die Selbstreflektion und das „Austesten“ der eigenen Grenzen. Verbundenheit finden viele Menschen kulturübergreifend unter anderem auch durch Musik. Gemeinsam musizieren oder bestimmte Rituale, wie beispielsweise ein „Gute-Nacht-Lied“, stellen eine besondere Art der Kommunikation dar. „Du machst es für Dich“ – diesen Leitspruch kann man ebenso zur Kunst wie zum Erlernen einer Sprache zuordnen.

In den Unterrichtseinheiten, die sich auf den Spracherwerb konzentrieren, lernen die Sprachkursteilnehmenden über vertraute Dinge aus Arbeit, Schule und Freizeit zu sprechen. Zusätzlich wird ein „Grundwortschatz Kunst und Kultur“ erarbeitet, indem sich die Themen im Unterricht speziell diesem Bereich widmen. Diese Inhalte werden in den Kurseinheiten zur kulturellen Bildung wieder aufgegriffen. Durch kreative Arbeit wird die gemeinsame Kunst zum Lehrmittel, das den Teilnehmenden hilft zu verstehen und somit den Ausgangspunkt für die Einführung des neuen Wortschatzes bildet. Sprache und Kunstform sollen einander ergänzen und unterstützen. Wenn etwas in schriftlicher Form zu abstrakt und unverständlich ist, kann die visuelle, melodische oder bewegte Form dem Lernenden helfen, die Sprache zu verstehen.

Die „Sprachkurse zur Förderung der gesellschaftlichen/ kulturellen Integration“ (SGK) werden gefördert von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung Niedersachsen (AEWB) und laufen mit insgesamt 300 Unterrichtseinheiten (UE). Der Unterricht findet von Montag bis Freitag mit jeweils 5 UE pro Tag statt. Zwei Tage in der Woche sind für den Sprachunterricht vorgesehen, die restlichen drei entfallen jeweils auf Kunst, Musik und Theater. Die vorletzte Woche ist als Projektwoche angelegt, die als Doppeldozentur organisiert ist und flexibel nach Kultursparten eingeteilt werden kann. In dieser Woche wird gemeinsam ein kleines Projekt erarbeitet, welches Kunst, Musik, Theater und Sprache unter einem gemeinsamen Thema miteinander verbindet. In der letzten Woche ist ausschließlich Sprachunterricht zur intensiven Vorbereitung auf eine Sprachprüfung vorgesehen.

An der VHS Meppen wurden bisher zwei derartige Kurse abgeschlossen. Der Dritte wird im August dieses Jahres beginnen. Anmeldungen sind auch kurzfristig noch möglich. Informationen erteilt Radka Lemmen unter Telefon 05931 9373-24.